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Energie & Umwelt
Sparen beim fahren
Wenn restriktive Maßnahmen und Anreize zur technologischen Entwicklung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, wird Mobilität auch in Zukunft möglich sein.



Vor dem Hintergrund steigender En­er­giepreise, knapp werdender Res­sour­cen und zunehmender Umwelt­be­las­tung rückt das Thema Mobilität in den Fo­kus. Wissenschaftler auf der ganzen Welt for­schen deshalb intensiv an neuen Mobili­täts­­­konzepten. Diskutiert werden umwelt­freund­­liche Techniken für Fahrzeuge, Maut­ge­büh­ren für Straßen ebenso wie ein Um­­den­ken in der Städteplanung, ferner neue Kon­­zep­te für den Güterverkehr, die Stra­ßen, Schie­nen und Wasserwege miteinander verknüpfen.

Nach einer Untersuchung der Organi­sa­tion für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird der Aus­stoß des klimaschädigenden Gases Kohlendioxid durch den Straßenverkehr bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zunehmen, wenn nicht ge­eig­­nete Gegenmaßnahmen getroffen wer­den. Zu solchen Maßnahmen zählen vor al­lem die Entwicklung und Umsetzung neu­er An­triebs­konzepte für Pkw und Lkw. Dabei sind sich Umweltexperten und Autobauer einig: Zukunft hat vor allem das Elek­tro­auto. Zwar ist der Durchbruch bisher noch nicht gelungen. Die Hersteller forschen je­doch an leis­tungsfähigeren Batterien, die hohe Ka­pa­zi­täten bieten und sich in sehr kurzen Zeit­in­tervallen laden lassen. Weitere Möglichkeiten, den Kraft­stoff­ver­brauch von Personenkraftwagen zu senken, sind kleinere Motoren mit gleicher Leis­­­tung, eine Direkteinspritzung für Ben­ziner, leichtere Werkstoffe, Start-stop-Auto­­matik oder elek­tronische Assistenzsysteme. Neue Mo­del­le, die solche Eigenschaften auf­wei­sen, wer­den von den Verbrauchern verstärkt nach­­gefragt. So steigen die Zu­las­sungs­­zah­­len von sparsamen Kompakt- und Klein­­wa­gen weiter an, während die Neu­zu­las­sun­gen in der Mittel- und Oberklasse ein­brechen.

Erheblich größere Potenziale zur Ener­gie­ein­spa­rung und Emissions­vermin­de­rung bie­tet jedoch der Güterverkehr. Er hat nicht nur den größten Anteil am Verkehrs­auf­kom­­men, sondern steigt erheblich stärker als der Per­so­nenkraftverkehr. Verringerter Schad­stoff­aus­stoß ist deshalb auch ein wichtiges The­ma auf der 62. IAA Nutz­fahr­zeuge, die vom 25.09. bis 2.10.2008 in Han­­nover statt­fin­det. Mehr Innovationen und mehr Fahr­zeug­präsentationen finde man auf keiner anderen Mes­se, betont Matt­hias Wissmann, Prä­si­dent des Verbandes der Auto­mobil­in­dus­trie (VDA). Bisher haben sich mehr als 1.700 Aussteller aus 47 Län­dern angemeldet.

Bereits im Frühjahr letzten Jahres hat Volvo Trucks sieben Prototypen für sieben alternative Kraftstoffe beziehungsweise al­ternative Antriebe vorgestellt, unter anderem einen 26-Tonnen-Lkw mit Hybrid-Mo­tor, der bereits Ende 2009 marktreif sein soll. Bei diesen Prototypen werden nach wie vor Verbrennungsmotoren eingesetzt, die je­doch nicht mit Diesel, sondern mit nichtfossilen Kraftstoffen wie Biodiesel, synthetischem Die­sel, DME, Methanol/Ethanol, Bio­gas so­wie Mischungen aus Biogas und Bio­­die­sel oder aus Wasserstoff und Biogas be­trieben werden. „Zwar sind diese An­triebs­­va­rian­ten derzeit noch in der Entwick­lungs­phase, sie sind jedoch reale, funktionstüch­tige und praktikable Lösungen“, so Leif Jo­hansson, Vorstandsvorsitzender der Volvo Group. Dafür habe man bereits sehr viel in­ves­tiert. Jetzt müsse die Politik vorgeben, wel­che dieser Lösungen bis zur Serienreife wei­terentwickelt werden sollten.


Messe
Der Präsident des VDA, Matthias Wissmann, weiß, dass auf der IAA Nutzfahrzeuge zahlreiche In­no­va­tionen und Fähigkeiten der Branche präsentiert werden.

Ergänzen lassen sich solche Lösungen durch Abgasnachbehandlungssysteme, bei-spielsweise von Tenneco Emission Control. Das Unternehmen arbeitet derzeit an der In­­­tegration der SCR-Technologie in Ab­gas­an­lagen. SCR steht für Selective Catalytic Re­duction. Darunter ist eine effiziente Tech­no­lo­gie zur Ent­fernung von Stickoxiden (NO) im Ab­gas und zur Reduzierung von CO2-Emis­sionen zu verstehen. Umweltschutz beginnt jedoch nicht erst beim Fahrzeug selbst, sondern bereits bei der Produktion. Toyota will beispielsweise bei der Produktion von Automobilen in Eu­ro­pa bis 2010 im Vergleich zu 2005 rund ein Vier­tel des Wasserverbrauchs einsparen. Zu­­gleich sollen die bei der Herstellung entstehenden Abfälle um 13 Prozent verringert und der Aus­stoß von flüchtigen organischen Ver­bin­dungen um mehr als ein Drit­tel vermindert werden.

Darüber hinaus soll der En­­er­gie­verbrauch der Produktions­wer­ke um zehn Prozent gesenkt werden. „Autos, die Um­­welt­­verantwortung widerspiegeln, müs­­sen in verantwortungsvoll arbeitenden Fa­­bri­ken gebaut werden“, sagt der Vize­prä­si­dent To­yo­ta-Europa, Didier Leroy, beim Kick-off der Europa-Initiativen in Va­len­cien­nes. Ergänzend GEWINNEN  AUCH Maß­nah­men­ wie das umweltfreundliche Carsharing, bei dem sich mehrere Nut­zer ein Auto teilen, immer weiter an Be­deu­tung. Nach Er­he­bungen des Ver­eins zur För­derung einer um­welt- und zu­kunfts­ge­rechteren Mobilität durch Car­Shar­ing e.V. sind rund 70 Prozent der Car­sha­ring-Fahr­zeu­ge Klein- und Kleinst­wa­gen, die er­heblich weniger Schadstoffe ausstoßen als der Durchschnitt aller anderen zu­­ge­las­se­nen Pkw.

Neben neuen An­triebskonzepten be­steht noch ein großes Op­timierungs­po­ten­zial bei der Organi­sa­tion von Transporten durch Frachtenbörsen. Bei der Lösung Ti­moCom Truck&Cargo der TimoCom Soft- und Hardware GmbH ge­ben Spedi­teure und Frachtführer ihre freien Lkw-Ka­pa­zi­tä­ten be­ziehungsweise Fracht­an­­gebote an oder be­dienen sich aus einer Fülle von Fracht- und Laderaumangeboten für den von ihnen gesuchten Zielort und das Fahr­­ge­biet eines Lkws. So kann jeder Nutzer in punc­to Fracht und Laderaum innerhalb we­­ni­ger Sekun­den fündig werden. Eine Sen­kung des CO2-Ausstoßes ist je­doch nicht nur im Stra­ßen­verkehr notwendig.

Biokraftstoff Scott Carr, Air New Zealand Europe, und Matt New Witcher, Sales Manager Continental Europe, präsentieren die Zukunft des Biotreibstoffs. Jatropha-Öl soll bis 2013 jährlich eine Million Barrel Kerosin ersetzen.

Auch beim Luftverkehr besteht dringender Handlungsbedarf. Die Air Trans­port Association (IATA) strebt des­halb bis zum Jahr 2020 eine erhebliche Senkung des CO2-Ausstoßes von Düsenjets pro ge­flogenem Ki­lometer an, unter anderem durch die Ver­wen­dung von Bio­treib­stoff. Die Flug­­ge­sell­schaft Air New Zea­land will ihre Flot­te bis 2013 jährlich mindestens mit einer Mil­lion Barrel Bio­treib­stoff betanken. Chief Exe­cu­tive Officer Rob Fyfe ist zuversichtlich, dass in den nächsten fünf Jahren die da­für er­for­der­lichen Men­gen zur Ver­fü­gung stehen werden. Air New Zealand hat sich ge­mein­sam mit seinen Partnern wie Boeing da­zu verpflich­tet, eine Füh­rungs­rol­le bei Tests von um­welt­ver­träglichen Treib­­stoffen ein­zunehmen. Die Flug­ge­sel­l­schaft möchte da­für vor al­lem Ja­tropha-Öl zum Einsatz bring­­en. Ja­trop­ha-Pflanzen wer­den in nach­­­­haltig betriebenen Plantagen in Süd­ost-Af­rika angebaut. Das Innovationspotenzial zur weiteren Verringerung von umweltbelastenden Emis­sionen ist noch lange nicht ausgeschöpft. Knapp werdende Ressourcen und steigende Energiepreise treiben die Ent­wick­lung weiter voran. Aufgabe der Politik ist es, auf den unterschiedlichen Ebenen at­trak­tive Al­ter­na­tivangebote zur Verfü­gung zu stel­len und dafür optimale Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen, die ein kli­ma­ent­las­ten­des Ver­hal­ten je­des einzelnen Verkehrs­teil­neh­mers un­­ter­stüt­zen. So kann nach­haltige Ver­kehrs­po­li­tik sogar die Wirt­schafts­ent­wick­lung stärken, die Be­schäf­­ti­gungs­lage ver­bes­sern und zur gesellschaftlichen In­no­vation werden.

Autor:
Armin Hille

Weitere Informationen unter:
www.iaa.de
www.oecd.org
www.vda.de
www.iata.org
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